Besuch von Jutta Wachowiak am 10. Februar zum 30jährigen Jubiläum des Mauerfalls

Was hat die „Wende“ vor 30 Jahren mit Jurassic Park zu tun? Und ist es für viele Menschen in Deutschlands Osten nicht viel mehr ein Umbruch gewesen? Was, wenn mit der DDR auch die Heimat verloren ging und ein Lebensideal neu gefunden werden musste?
 
Am 9. November 1989 war die DEFA- und Theaterschauspielerin des Deutschen Theaters Berlin, Jutta Wachowiak, eingeladen zum Braunschweiger Filmfest. Hier im Westen erlebte die, sich selbst als Reformerin verstehende, Schauspielerin den Mauerfall. Ihr Ensemble am Deutschen Theater bricht in kurzer Zeit auseinander, die ersten gesamtdeutschen Wahlen zeigen, dass sich ein Großteil der ostdeutschen Bevölkerung für einen Beitritt zum Grundgesetz entschließt und nicht mehr reformieren mag, was für viele als gescheitertes Projekt galt.
Auch der filmische Jurassic Park war als revolutionäre Idee gestartet. Was aber in Spielbergs Action-Drama geschieht, deformiert, bedroht und tötet. Aus dieser Idee heraus entstand mit Eberhard Petschinke und Rafael Sanchez das Theaterprojekt „Jutta Wachowiak erzählt Jurassic Park“, das gekonnt Jutta Wachowiaks Lebensgeschichte mit dem verlassenen Projekt des Dino-Parks „verknüppelt“, wie Jutta Wachowiak selbst sagt.
 
30 Jahre später, im November 2019, ist Jutta Wachowiak wieder in Braunschweig. Dieses Mal spielt sie im alten Haus Drei des Staatstheaters ein Gastspiel und die Geschichts-Kurse unseres 12. Jahrgangs sind dabei. Theater am Freitag Abend? Das geht, wenn man dabei erleben darf, wie Jutta Wachowiak den Raum mit ihrer Bühnenpräsenz füllt und einen mitnimmt, in ihr Erleben der „Wende“ und den „Umbruch“ in ihrem Leben, den sie ehrlich, offen und selbstkritisch erzählt.
Wieder drei Monate später ist Jutta Wachowiak nochmals in Braunschweig. Dieses Mal bei uns an der Sally-Perel-Gesamtschule um ins Gespräch zu kommen mit der Generation ihrer Enkelinnen und in kritischen und offenen Worten zu sensibilisieren, dass auch eine „friedliche Revolution“ nicht immer nur ein Gewinn ist und die DDR neben der ideologischen Deformation auch bis zum Ende in einigen Bereichen Solidarität gelebt hat.
 
Eine Begegnung auf Augenhöhe, die nicht nur unsere Schüler*innen bereichert hat und für die wir besonders dem Team vom Filmfest Braunschweig. Marit Vahjen und Peter Wentzler, sehr dankbar sind. Das von den Schüler*innen liebevoll vorbereitete und gekonnt durchgeführte Zeitzeugengespräch hat uns gelehrt, Geschichte nicht nur eindimensional und aus einer Perspektive zu betrachten, sondern auch ihre ihre Vielschichtigkeit mehr zu begreifen. 
 
 
 
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