Der Folgende Innere Monolog basiert auf Sally Perels Erzählungen aus seinem Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“. Der Innere Monolog, beschriebt die Gedanken und Gefühle von Sally, als er das erste Mal die Hitlerjugenduniform anziehen musste („Ich war Hitlerjunge Salomon“ S. 31-32)

 

Da liegt sie vor mir. Ordentlich gefaltet. Sie scheint, wie ein ganz normales Kleidungsstück. Ein Hemd, eine Hose, eine Kopfbedeckung, ein Gürtel, ein Paar Schuhe und Socken. Fast schon harmlos. Aber ich weiß, was sie bedeutet. Diese Uniform ist ein Symbol für eine Ideologie, die mich vernichten will. Und trotzdem soll ich sie jetzt tragen. Meine Finger zittern, während ich nach dem Stoff greife. Er fühlt sich schwer an, fremd und rau. Ich will sie nicht anziehen. Es fühlt sich falsch an. Es ist falsch. Aber ich muss. Ich muss überleben. Also ziehe ich sie an, knöpfe sie zu – langsam, einen Knopf nach dem anderen. Und jeder einzelne fühlt sich an wie ein kleiner Verrat. Ich gehe zum Spiegel. Mein Herz schlägt schnell, fast panisch. Was ich dort sehe, bin nicht mehr ich. Vor mir steht ein Junge in Uniform, mit einem Hakenkreuz auf der Brust. Alles sitzt perfekt – zu perfekt. Ich sehe aus wie einer von ihnen. Aber in mir schreit alles dagegen. Wo ist Salomon? Wo bin ich in diesem Bild? Ich erkenne mich nicht wieder. Ich bin jüdisch. Ich bin nicht dieser „Josef“, der ich jetzt sein muss. Und doch… ich habe keine Wahl. Wenn ich auffalle, ist es vorbei. Ich versuche ruhig zu atmen. Ich darf mir nichts anmerken lassen. Kein Zögern, kein falscher Satz, kein Blick zu viel. Die Gefahr ist überall. Ich bin allein, mitten unter Feinden – verkleidet als einer von ihnen. Ich schlucke. Ich darf nicht nachdenken. Ich darf nicht zweifeln. Ich muss mich zusammenreißen. Also atme ich tief durch, balle die Fäuste und sage mir: Ich bin nicht mehr Salomon Perel. Ich bin Josef Perjell. Doch wie lange kann ich diese Rolle spielen? Wie lange kann ich lügen, ohne mich selbst zu verlieren? Ich will mich nicht vergessen…ich habe Angst vor dem was auf mich zukommen wird. Doch ich muss das machen, sonst sterbe ich. Ich schließe die Augen. Atme tief durch, setze die Mütze auf und zwinge mich zu einem lächeln. So, wie es ein echter Hitlerjunge auch tun würde.